Technik

Trockentrenntoilette

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27. Februar 2018

Wir wollen autark sein, ein wenig mehr als der übliche Wohnmobilfahrer. Die Kassettentoilette ist nicht hilfreich, da wir diese alle 4 Tage leeren müssen, sie Wasser verbraucht und uns auch sonst nicht wirklich gefällt. Chemie* ist das eine, kann man drauf verzichten, dann riecht es aber, es sei denn, man baut eine SOG-Anlage* ein, aber auch die löst nicht das Problem, dass man häufig leeren muss, und dazu auch wirklich nur da leeren kann, wo eine Entsorgungsstation ist.

Also haben wir entschieden, eine Trockentrenntoilette* einzubauen.

Das Prinzip einer solchen erklärt Wikipedia ganz gut:

Bei der Trockentrenntoilette (TTC) wird die natürliche Trennung menschlicher Ausscheidungen konsequent beibehalten, indem Urin und Exkremente getrennt aufgefangen werden. Hierbei wird der Urin entweder in die Kanalisation abgeleitet oder in einem Behälter aufgefangen und z. B. als Dünger im Garten eingesetzt. Die festen Exkremente und das Toilettenpapier werden unter Beimengung groben, zellulosehaltigen Materials (Rindenschrot, Hobelspäne, Stroh) in einem Behälter aufgefangen, der sich unter dem TTC befindet. Eine spezielle Hygieneklappe sorgt für einen Verschluss des Behälters. Die Feststoffe lassen sich dann kompostieren. Dadurch kann Trinkwasser eingespart und Kläranlagen und Deponien entlastet werden, da der Klärschlamm aus Kläranlagen oft aufgrund enthaltener Schadstoffe als Sondermüll auf Deponien entsorgt werden muss.

Da fertige Lösungen bei uns nicht gepasst hätten, und diese dazu wirklich teuer sind, haben wir uns für einen Selbstbau entschieden.
Das ist nicht schwer, es braucht nicht viel und mit knapp 200,- EUR waren wir dabei.

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Die Toilette ist aus Pappelsperrholz gebaut, 12mm dick, das Material ist sehr leicht und stabil und wird unter anderem auch im Wohnmobilbau verwendet. Dünner an den Seitenwänden vermutlich auch gegangen. Das Pappelsperrholz haben wir im Internet schon fertig zugeschnitten bestellt. Im Baumarkt wäre es sicher auch möglich gewesen, allerdings hatten unsere Baumärke dieses Holz nicht vorrätig, und wenn, dann nur in einer Breite bis 40cm, was zu wenig ist, da der Kasten knapp 45cm hoch ist.

Die alte Kassettentoilette wurde ausgebaut, das sind nur wenige Schrauben, und der Wasseranschluss stillgelegt. Im nächsten Jahr werden wir dort dann eine Außendusche anschließen.

Abgedichtet haben wir den Wasserschlauch mit einem Stück einer Heißklebestange. Das Material ist wasserfest, verrottet nicht und passte genau in den Schlauch, mit einer Schelle festgemacht und gut.

Die neue Toilette ist einfach nur ein Kasten aus oben erwähntem Holz, mit Winkeln innen zusammengeschraubt, in den dann oben ein Loch reingesägt wird, der Privett liegt eine Schablone zum genauen Aussägen bei, darunter (bei uns darüber weil ich das Loch etwas versägt hatte) dann der fertige Trenneinsatz*, der das Feste vom Flüssigen trennt, ein Eimer* für den Kot und eine Flasche*  für den Urin darunter und fertig. Eimer und Flasche werden mit ein paar Kanthölzern, auf dem Boden verklebt, gegen verrutschen gesichert. So einfach ist es im Grunde. Als letztes noch ein einfacher handelsüblicher 12V Pc-Lüfter*, der die Luft aus der Toilette abzieht, nach außen hin mit einer runden Lüfterabdeckung mit Insektenschutz* gesichert, natürlich sauber mit Sikaflex* eingeklebt und abgedichtet. Strom bekommt der Lüfter vom Stromanschluss der für die Kassettentoilette gedacht war, sprich der Anschluss, der die Elektronik in der Kassette versorgt hat. Wenn wir jetzt die Wasserpumpe am Panel ‘scharf’ schalten, geht auch der Lüfter an. Da dieser nur 0,1A zieht, ist der Verbrauch bei unseren 200Ah “Lithiumpower” zu vernachlässigen. Zu der Kassettentoilette gehen einige Anschlüsse hin, da sollte man nachmessen, denn wenn falsch angeschlossen, läuft auch die Wasserpumpe immer mit, das merkt man dann sofort, dann ist es das andere Kabel mit 12V.

Mit dem Lüfter riecht es jetzt nicht und das Feste wird schneller trocken. Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, haben wir Hamsterstreu dabei, mit dem wir das ganze noch abstreuen könnten. Hamsterstreu ist günstig, leicht und bindet die Restfeuchte im Kot recht gut.

Den Toilettenkasten haben wir oben mit zwei Scharnieren eingesetzt, so dass er auch von Ihnen geöffnet werden kann. Vorne noch ein Loch mit der Lochkreissäge gesägt, damit wir von außen den Urinstand kontrollieren können. Befestigt dann das ganze einfach am Boden mit Winkeln.

Zum Abschluss dann noch mit einem Hartwachsöl in einer passenden Farbe gestrichen, so wird der Kasten wasserabweisend und bekommt ein schönes Finish. Die gibt es in vielen Farben, wir haben, wenn ich mich recht erinnere, die Farbe Graphit von der Firma Osmo verwendet, mit zwei Anstrichen war es dann der Grauton, der zu sehen ist.

Der Eimer für das Feste muss jetzt ca. alle 1 1/2 – 2 Wochen geleert werden, das kann in den Restmüll wie Windeln. Mag manchem eklig erscheinen, ist es aber nicht. Kompostieren könnte man es auch. Der Urintank muss alle 2-3 Tage geleert werden, den kann man einfach in jede Toilette entleeren.

Dies ist der Lüfter, wie er beispielhaft etwas Rauch abzieht. Funktioniert gut.

Nach einigen Wochen im Einsatz, kann ich sagen, dass es den doch recht kleinen Aufwand wirklich wert war. Herrlich angenehm, so selten leeren zu müssen, bei unseren Touren, derzeit allerdings erst maximal 7 Tage, haben wir den Feststoffbehälter erst bei Ende leeren müssen, den Urinbehälter wie erwartet, nach knapp 2-3 Tagen, was aber immer unkompliziert war, eine Toilette findet sich eben in der Regel fast überall. Und nein, es stinkt nicht, nicht mal während des Geschäfts, der Kleine Lüfter leistet hervorragende Arbeit. Wir benutzen übrigens einfaches billiges Hamstersteu beim Festen, damit Feuchtigkeit besser gebunden wird.

Update 22.04.18:

Nach einigen Tagen mit 25 Grad und mehr, können wir feststellen, dass es auch dann nicht riecht. Selbst, als der Lüfter zwei Tage ausgeschaltet war, war kein Geruch festzustellen. Wir lassen Ihn dennoch immer laufen, sicher ist sicher 😉

Update 05.09.18
Nach zwei Wochen Norwegen können wir wirklich behaupten: eine Trockentrenntoilette ist mit das Sinnvollste, was man sich in ein Wohnmobil einbauen kann!

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Pe & Be
Irgendwo, Erde

Wir sind Pe & Be. Wir und unsere Briards Hedda und Flóki reisen in Europa mit unserem Wohnmobil, dem PeBe-Mobil. Meist sind wir im nördlichen Europa unterwegs. Wir stehen meist frei, das heißt mitten in der Natur, wo es geht, auf einem Stellplatz werdet ihr uns eher nicht finden. Hier wollen wir euch von unseren Reisen erzählen und Tipps, Tricks und Erfahrungen zum Leben im Wohnmobil geben.